Mehr Leute = schneller? Nicht automatisch
Es ist die vielleicht häufigste Annahme im Projektgeschäft: Ein Vorgang dauert zu lange, also wirft man mehr Leute darauf — und schon geht es schneller. Manchmal stimmt das. Manchmal passiert aber genau das Gegenteil, und der Plan wird länger statt kürzer. Was den Unterschied macht, ist kein Bauchgefühl, sondern ein einziger Schalter in Project, den die meisten nie bewusst wahrnehmen.
Dieses Modul dreht sich um diesen Schalter — und darum, wie Project rechnet, sobald mehrere Menschen an einem Vorgang arbeiten. Die gute Nachricht: Die Rechengrundlage kennst du schon aus Modul E4. Wir wenden sie jetzt nur auf mehr als eine Person an.
Ressourcen zuordnen
Bevor Project für einen Vorgang rechnen kann, muss es wissen, wer ihn bearbeitet. Eine Ressource — meist eine Person — wird dem Vorgang zugewiesen, zusammen mit ihren Zuordnungseinheiten: dem Prozentsatz, zu dem sie für diesen Vorgang eingeplant ist. 100 % heißt Vollzeit, 50 % heißt, die Person steht dem Vorgang zur Hälfte ihrer Arbeitszeit zur Verfügung.
1 2 3 - 1 Ressourcen-Dropdown Hier wählst du die Person aus dem Team und ordnest sie dem Vorgang zu.
- 2 Einheiten Zu wie viel Prozent ihrer Kapazität die Person eingeplant ist — 100 % = Vollzeit.
- 3 Der Weg Reiter Ressource → Ressourcen zuweisen (oder direkt über die Vorgangmaske).
1 2 3 Damit ist auch die Brücke zu Modul E4 geschlagen. Dort galt: Arbeit = Dauer × Einheiten. Genau diese Formel wirkt jetzt weiter, nur dass die Einheiten nicht mehr von einer Person kommen, sondern von allen, die dem Vorgang zugeordnet sind. Zwei Personen zu je 100 % bringen zusammen 200 % Kapazität auf den Vorgang — und was Project mit dieser zusätzlichen Kapazität macht, entscheidet der zweite Schalter.
Der zweite Schalter: die Leistungssteuerung
In Modul E4 haben wir ihn nur benannt, jetzt lösen wir ihn ein. Die Leistungssteuerung (engl. effort driven) ist ein Häkchen am Vorgang, das eine einzige, aber folgenreiche Frage beantwortet: Wenn sich die Zahl der Menschen ändert — bleibt dann die Arbeit konstant, oder bleibt die Dauer konstant?
1 2 3 - 1 Der zweite Schalter Das Häkchen Leistungsgesteuert — hier entscheidet sich, was konstant bleibt.
- 2 Vorgangsart Wirkt mit (aus Modul 4) — beide zusammen bestimmen das Rechenergebnis.
- 3 Der Weg dorthin Vorgangsinformationen → Reiter Erweitert.
1 2 3 Wichtig ist, wann dieser Schalter überhaupt greift: nur beim Hinzufügen oder Entfernen von Ressourcen. Änderst du nur die Dauer oder die Einheiten einer bereits zugeordneten Person, spielt die Leistungssteuerung keine Rolle — dann gilt die Vorgangsart-Logik aus Modul E4. Erst wenn eine Person dazukommt oder wegfällt, wird die Frage „Arbeit oder Dauer konstant?” akut. Und genau diesen Fall sehen wir uns jetzt an.
Was passiert, wenn eine zweite Person dazukommt?
Hier teilt sich der Weg in zwei Antworten, die man unbedingt auseinanderhalten muss.
Leistungssteuerung AN — die Dauer schrumpft. Die Arbeit bleibt gleich und verteilt sich auf mehr Schultern. Ein Vorgang mit 80 Stunden Arbeit, von einer Person zu 100 % bearbeitet, dauert zehn Tage. Kommt eine zweite Person zu 100 % dazu, bleiben es 80 Stunden Arbeit — aber sie verteilen sich auf zwei Personen, und die Dauer fällt auf fünf Tage. Das Screenshot-Paar zeigt genau diesen Sprung:
1 2 3 - 1 Dauer Ausgangszustand: 10 Tage.
- 2 Eine Ressource Dean Mayer, zu 100 % eingeplant.
- 3 Arbeit 80 Stunden.
1 2 3
1 2 3 - 1 Dauer halbiert Nachher: 5 Tage.
- 2 Zwei Ressourcen Jetzt zwei Personen, je 100 %.
- 3 Arbeit unverändert Weiterhin 80 Stunden — sie hat sich nur verteilt.
1 2 3 Leistungssteuerung AUS — die Arbeit wächst. Jetzt bringt jede Person ihre eigene Arbeit mit. Die zweite Person zu 100 % addiert ihre Stunden, statt sich die vorhandenen zu teilen: Aus 80 Stunden werden 160, und die Dauer bleibt bei zehn Tagen. Mehr Leute bedeuten hier also nicht „schneller fertig”, sondern „mehr Aufwand bei gleicher Laufzeit”. Diesen Fall musst du bewusst wollen — sonst ist er eine böse Überraschung.
Die Maurer-Analogie aus Modul E4 trägt das Bild: Zwei Maurer an derselben Wand werden in der halben Zeit fertig (Leistungssteuerung an). Bekommt aber jeder Maurer seine eigene Wand, bleibt die Zeit gleich und es wird einfach doppelt so viel gemauert (Leistungssteuerung aus).
Ressourcenüberlast und der Hebel
Sobald mehrere Vorgänge um dieselben Personen konkurrieren, kann es eng werden. Eine Ressourcenüberlast entsteht, wenn eine Person zur selben Zeit auf mehr Vorgängen eingeplant ist, als ihre Kapazität hergibt. Project markiert das rot — am übersichtlichsten im Teamplaner, der die Auslastung Person für Person zeigt.
1 2 3 - 1 Rot umrandet = Überlast Diese Person hängt zur gleichen Zeit an mehreren Vorgängen.
- 2 Teamplaner Zeigt die Auslastung Person für Person.
- 3 Nicht zugeordnete Vorgänge Unten — von hier verteilst du um.
1 2 3 Der Hebel heißt Ausgleich und Umverteilung. Du kannst überlastende Vorgänge zeitlich auseinanderziehen, auf andere Personen verlegen oder Project den Ausgleich automatisch vornehmen lassen. Genau hier geht E6 über E4 hinaus: Es reicht nicht, die Überlast zu erkennen — du musst sie auflösen, sonst ist dein Plan zwar bunt, aber nicht machbar.
Ausblick
Zwei Fäden nehmen wir später wieder auf. Sobald Ressourcen einen Kostensatz bekommen, rechnet Project aus der Arbeit auch die Kosten — das ist Thema von Modul E7. Und ob dein Plan unterwegs noch hält, also der Soll-Ist-Abgleich, gehört zu Modul E8.
Quiz zum Modul
3 Fragen · bestanden ab 60% richtigen Antworten.
1. Du fügst einem Vorgang eine zweite Person hinzu, die Leistungssteuerung ist an. Was passiert?
2. Wann wirkt der Schalter Leistungssteuerung überhaupt?
3. Eine Person ist zur gleichen Zeit auf drei Vorgängen voll eingeplant. Was zeigt Project?
Bitte alle Fragen beantworten, dann wird der Button aktiv.
Was folgt
Du weißt jetzt, wie Project mit Menschen rechnet — und dass ein zweiter Mensch die Dauer nur dann schrumpft, wenn du es willst. Im nächsten Modul bekommen diese Menschen einen Preis: E7 — Kostenplanung. Aus der Arbeit, die du hier gesteuert hast, wird dort das Budget.