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Modul 6 · 17 Minuten

Modul 6 - IPMA / GPM

IPMA stellt nicht den Prozess in den Mittelpunkt, sondern den Menschen: das Kompetenzmodell ICB4 mit drei Kompetenzbereichen, drei Domänen und dem 4-Level-Certification-System.

IPMA / GPM — Kompetenzmodell ICB4 mit den drei Bereichen People · Practice · Perspective, dem Eye of Competence, drei Domänen und 4-Level-Certification-System
ICB4-Kompetenzmodell auf einen Blick: drei Kompetenzbereiche (People · Practice · Perspective), das Eye of Competence in der Mitte, drei Domänen und das 4-Level-Certification-System.

Worum es geht

Die bisherigen Methoden in Teil B haben eines gemeinsam: Sie beschreiben ein Außen. Wasserfall und V-Modell sagen, wie man baut und prüft. PRINCE2 sagt, wie man steuert. PMBOK liefert Wissen und Methoden. IPMA dreht die Perspektive um 180 Grad: Im Mittelpunkt steht nicht das Verfahren, sondern die Person, die es anwendet — und ihre Kompetenzen.

Getragen wird dieser Ansatz von der IPMA (International Project Management Association), dem internationalen Dachverband nationaler Projektmanagement-Verbände, in Deutschland vertreten durch die GPM (Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement). In dieser Einheit siehst du das Kompetenzmodell ICB4, seine drei Domänen und das vierstufige Zertifizierungssystem — und warum IPMA bewusst kein Vorgehensmodell ist.

Der Perspektivwechsel: vom Verfahren zur Person

Der Leitgedanke der IPMA lässt sich in einem Satz fassen: Projekte werden von Menschen gemacht. Nicht eine Methode bringt ein Projekt zum Erfolg, sondern die Fähigkeit der Beteiligten, in einer konkreten Situation richtig zu handeln. Deshalb beschreibt IPMA keine Prozesse und keine Wissensgebiete, sondern Kompetenzen — und das macht den Standard zugleich methoden-neutral: Er lässt sich mit jedem Vorgehensmodell kombinieren, ob klassisch oder agil.

Genau hier liegt der Unterschied zu den vorigen Modulen: PMBOK fragt „Welches Wissen, welche Methoden brauche ich?”, PRINCE2 fragt „Wie steuere ich?” — IPMA fragt „Welche Kompetenzen muss die handelnde Person mitbringen?”.

Das Kompetenzmodell ICB4

Das Herzstück ist die Individual Competence Baseline 4 (ICB4), seit 2016 der gültige internationale Standard. Sie beschreibt rund 28 Kompetenzelemente, gebündelt in drei Kompetenzbereiche:

1
Menschenkompetenz (People)
Persönliche und soziale Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Führung, Teamarbeit, Konfliktmanagement und Kommunikation. Kurz: erfolgreich mit sich selbst und anderen arbeiten.
2
Methodenkompetenz (Practice)
Die fachlich-technische Seite: Ziele und Nutzen, Anforderungen, Risiken, Qualität, Ressourcen, Planung und Steuerung. Kurz: Projekte strukturiert und zielgerichtet planen und durchführen.
3
Kontextkompetenz (Perspective)
Das Umfeld: Strategie, Governance, Compliance und Standards, Macht und Interessen, Kultur und Werte. Kurz: Projekte im größeren Kontext verstehen und gestalten.

Bildlich fasst die IPMA dieses Zusammenspiel im Eye of Competence zusammen: People, Practice und Perspective umschließen die handelnde Person in der Mitte. Erst im Zusammenspiel aller drei Bereiche entsteht Projektkompetenz — fachliches Können allein genügt nicht.

Die drei Domänen

Die ICB4 denkt Projektmanagement nicht isoliert, sondern auf drei Ebenen — den Domänen:

1
Projektmanagement
Führung und Steuerung einzelner Projekte zu klaren Zielen.
2
Programmmanagement
Koordination einer Gruppe zusammengehöriger Projekte, um ein übergeordnetes strategisches Ziel zu erreichen.
3
Portfoliomanagement
Optimierung der gesamten Projekt- und Programmlandschaft nach Investitions- und Nutzengesichtspunkten.

Damit deckt der Standard die ganze Bandbreite ab — vom einzelnen Vorhaben bis zur strategischen Steuerung auf Portfolioebene.

Das 4-Level-Certification-System

IPMA zertifiziert nicht das Wissen über eine Methode, sondern die Kompetenz der Person — abgestuft nach Verantwortung und Erfahrung. Das 4-Level-Certification-System (4-L-C) kennt vier Stufen:

StufeTitelFokus
Level ACertified Projects DirectorStrategische Leitung komplexer Projekt-, Programm- und Portfoliolandschaften.
Level BCertified Senior Project ManagerVerantwortung für komplexe Projekte und Führung von Teilprojektleitungen.
Level CCertified Project ManagerEigenverantwortliche Leitung von Projekten begrenzter Komplexität.
Level DCertified Project Management AssociateProjektmanagement-Wissen und Mitarbeit im Projekt.

Der Unterschied zur reinen Wissensprüfung: Während auf Level D vor allem Kenntnisse geprüft werden, kommt ab Level C die nachgewiesene Anwendungserfahrung in echten Projekten hinzu. Die Zertifizierung wächst also mit der Person — und muss regelmäßig durch Rezertifizierung aufgefrischt werden.

Wann es trägt — und wann nicht

IPMA spielt seine Stärke überall dort aus, wo es um die Entwicklung und den Nachweis von Können geht: als Rahmen, um Projektpersonal gezielt zu qualifizieren und international anerkannt zu zertifizieren — quer über alle Branchen, Rollen und Projektgrößen. Weil der Standard methoden-neutral ist, passt er zu jedem Vorgehen und lässt sich mit PMBOK, PRINCE2 oder agilen Ansätzen frei kombinieren.

Seine Grenze ist zugleich sein Wesen: IPMA ist kein Vorgehensmodell. Es sagt dir nicht, wie du ein konkretes Projekt Schritt für Schritt durchführst — dafür brauchst du weiterhin eine Methode. IPMA entwickelt die Person, die diese Methode anwendet. Wer eine fertige Anleitung zum Abarbeiten sucht, ist hier falsch; wer kompetente Projektmenschen aufbauen will, richtig.

Wissens-Check

Quiz zum Modul

3 Fragen · bestanden ab 60% richtigen Antworten.

1. Worin unterscheidet sich **IPMA** grundlegend von PMBOK und PRINCE2?

2. Welche drei **Kompetenzbereiche** definiert die ICB4?

3. Wofür steht das **4-L-C**?

Bitte alle Fragen beantworten, dann wird der Button aktiv.

Quellen