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Modul 7 · 17 Minuten

Modul 7 - HERMES

HERMES als offener Schweizer Bundes-Standard: fünf Phasen mit Quality Gates, klassischer und agiler Pfad in einem Modell — frei verfügbar und über Szenarien anpassbar.

HERMES 2022 — fünf Projektphasen mit Quality Gates, klassischer und agiler Pfad, Methodenelemente und Rollen
HERMES 2022 auf einen Blick: fünf Phasen mit Quality Gates, klassischer und agiler Pfad, Methodenelemente, Rollen und Erfolgsfaktoren.

Worum es geht

Nach der kompetenzorientierten Sicht der IPMA kehren wir mit HERMES zu einer konkreten, vorgegebenen Methode zurück — aber zu einer mit einer Besonderheit: HERMES verbindet das klassische und das agile Vorgehen in einem gemeinsamen Rahmen. Entwickelt von der Schweizer Bundesverwaltung, ist HERMES ein offener Standard, der frei über hermes.admin.ch verfügbar ist und sich längst über die Verwaltung hinaus nutzen lässt.

In dieser Einheit siehst du, was HERMES ausmacht, die fünf Phasen mit ihren Quality Gates, den Unterschied zwischen klassischem und agilem Pfad und den Baukasten aus Methodenelementen und Szenarien.

Was HERMES ist

HERMES ist die Projektmanagementmethode der Schweizer Bundesverwaltung, ursprünglich für Informatik- und Organisationsprojekte entwickelt, heute branchenübergreifend einsetzbar. Zwei Eigenschaften prägen den Standard: Er ist offen und frei — jede und jeder kann ihn nutzen, ohne Lizenzkosten — und er ist modular, also über Bausteine an Projektart und -größe anpassbar. Die aktuelle Ausgabe ist HERMES 2022.

Die fünf Phasen

Ein klassisches HERMES-Projekt durchläuft fünf Phasen. Jede endet mit einem Quality Gate — einem Meilenstein, an dem geprüft wird, ob die Ergebnisse erreicht sind und das Projekt in die nächste Phase übergehen darf:

PhaseWorum es gehtErgebnis
1. InitialisierungProjektidee und Rahmen klären, Lösungsvarianten prüfen, Szenario und Vorgehen wählen.Projektauftrag
2. KonzeptDie Lösung konzeptionell erarbeiten, Anforderungen und Machbarkeit klären, planen.Konzept
3. RealisierungDie Lösung erstellen und testen, Leistungen erbringen, Fortschritt steuern.Lösung
4. EinführungÜbergang in den Betrieb: Einführungskonzept, Abnahme, Migration, Übergabe, Schulung.Einführung
5. AbschlussProjekt formal abschließen, Ergebnisse und Nutzen beurteilen, Lessons Learned, Entlastung.Projektabschluss

Die beiden letzten Phasen werden oft verwechselt: Die Einführung bringt die fertige Lösung in den produktiven Betrieb, der Abschluss beendet das Projekt selbst — Auswertung, Übergabe der Organisation, Archivierung.

Klassisch oder agil — die Wahl fällt früh

Hier liegt das eigentliche Kennzeichen von HERMES 2022: Initialisierung und Abschluss bilden den festen Rahmen, dazwischen gibt es zwei Wege. Im klassischen Pfad durchläuft das Projekt die drei Phasen Konzept, Realisierung und Einführung nacheinander. Im agilen oder hybriden Pfad werden diese drei zu einer einzigen Phase zusammengefasst — der Umsetzung, in der iterativ und inkrementell gearbeitet wird.

Entscheidend ist: Welcher Weg passt, wird bereits in der Initialisierung festgelegt — fachlich und vorgehenstechnisch begründet. Damit kann eine Organisation klassische und agile Projekte unter demselben Dach führen, sogar innerhalb eines Programms. Genau diesen Aspekt — klassisches und agiles Vorgehen in einem Rahmen — vertieft das nächste Modul: PRINCE2 Agile (Modul 8) als explizite Brücke zu den agilen Frameworks in Teil C.

Methodenelemente und Szenarien

HERMES ist ein Baukasten. Seine Methodenelemente sind Phasen, Rollen, Aufgaben, Module, Ergebnisse und Meilensteine. Aus ihnen werden Szenarien zusammengesetzt — vorkonfigurierte Zusammenstellungen für einen bestimmten Projekttyp, etwa für eine IT-Individualentwicklung oder eine Organisationsanpassung. Statt jedes Projekt bei null zu beginnen, wählt man das passende Szenario und ergänzt es bei Bedarf. Module bündeln dabei zusammengehörende Aufgaben und Ergebnisse, Rollen klären die Verantwortlichkeiten — von Auftraggeber und Lenkungsausschuss über den Projektleiter bis zum Projektteam.

Wann es trägt — und wann nicht

HERMES spielt seine Stärke dort aus, wo eine klare, nachvollziehbare Struktur und definierte Quality Gates zählen — in der öffentlichen Verwaltung, in IT-Projekten und überall, wo Governance und Transparenz gefragt sind. Weil er offen, kostenlos und modular ist, lässt er sich risikoarm einführen und auf die Projektgröße zuschneiden. Und weil er klassisches wie agiles Vorgehen abdeckt, taugt er als gemeinsamer Rahmen für gemischte Projektlandschaften.

Seine Grenzen: HERMES ist stark im deutschsprachigen und im Verwaltungsumfeld verankert, international weniger verbreitet als PMBOK oder PRINCE2. Und er versteht sich ausdrücklich als ergänzend, nicht ersetzend — er lässt sich mit anderen Standards wie ISO 21502 oder dem PMBOK Guide kombinieren, will sie aber nicht verdrängen. Wer einen weltweit anerkannten Zertifizierungsweg sucht, schaut eher zu IPMA oder PMI.

Wissens-Check

Quiz zum Modul

3 Fragen · bestanden ab 60% richtigen Antworten.

1. Wie viele Phasen hat ein klassisches **HERMES-2022-Projekt**?

2. Was ist das Besondere an **HERMES 2022**?

3. Was ist ein **„Szenario"** in HERMES?

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Quellen