Worum es geht
In der Übersicht stand Scrum als das verbreitetste agile Framework; das Manifest lieferte das Warum. Jetzt das Wie. Scrum ist bewusst leichtgewichtig: wenige feste Bausteine, klare Verantwortlichkeiten, ein Takt aus kurzen Sprints. Maßgeblich ist der Scrum Guide 2020 — die offizielle, frei verfügbare Referenz von Jeff Sutherland und Ken Schwaber, die Scrum 1995 vorgestellt haben.
Eine einfache Merkformel hilft: 3 – 5 – 3. Drei Verantwortlichkeiten, fünf Events, drei Artefakte (jedes mit einem Commitment). Dazu das empirische Fundament und fünf Werte.
Das empirische Fundament
Scrum beruht auf Empirie — Erkenntnis aus Erfahrung — und ruht auf drei Säulen: Transparenz (alle sehen denselben, ehrlichen Stand), Überprüfung (regelmäßig prüfen, wo man steht) und Anpassung (auf Basis dessen nachsteuern). Genau deshalb plant Scrum nicht alles vorab durch, sondern lernt in kurzen Schleifen. Das ist der Gegenentwurf zur sequenziellen Welt aus Teil B.
Die drei Verantwortlichkeiten
Ein Scrum Team besteht aus Product Owner, Scrum Master und Developers — gemeinsam, ohne interne Hierarchie, typischerweise zehn Personen oder weniger. Der Guide 2020 spricht bewusst von Verantwortlichkeiten (Accountabilities), nicht von „Rollen”, und nennt das Team „Developers”, nicht „Development Team”.
Die fünf Events
Alle Events sind timeboxed — sie haben ein festes Zeitfenster. Der Sprint ist die Klammer um alle anderen: ein Zyklus von maximal einem Monat, an dessen Ende ein nutzbares Ergebnis steht. Innerhalb des Sprints liegen vier Events:
Ein wichtiger Stabilitätsanker: Das Sprint-Ziel wird während des Sprints nicht geändert. Das schafft Fokus und Vertrauen — Anpassung passiert zwischen den Sprints, nicht mittendrin.
Die drei Artefakte und ihre Commitments
Jedes der drei Artefakte trägt genau ein Commitment — eine Selbstverpflichtung, die Transparenz und Fokus schafft. Das Product Goal wurde 2020 neu eingeführt:
| Artefakt | Commitment | Bedeutung |
|---|---|---|
| Product Backlog | Product Goal | Geordnete Liste aller Anforderungen; das langfristige Ziel für das Produkt. |
| Sprint Backlog | Sprint Goal | Die geplante Arbeit für den Sprint; das Ziel des Sprints. |
| Increment | Definition of Done | Das nutzbare, integrationsfähige Ergebnis; die Kriterien, wann es „fertig” ist. |
Die fünf Werte
Damit das Rahmenwerk lebt, braucht es eine Haltung. Scrum nennt fünf Werte: Commitment (persönliches Engagement für die Ziele), Focus (Konzentration auf das Sprint-Ziel), Openness (Offenheit für Arbeit und Herausforderungen), Respect (einander als fähige Menschen achten) und Courage (Mut, das Richtige zu tun). Werden sie gelebt, erwachen die Empirie-Säulen zum Leben und bauen Vertrauen auf. Ohne sie bleibt Scrum bloße Mechanik — ein „Scrum-Theater” aus Meetings ohne Wirkung.
Was Scrum ist — und was nicht
Scrum ist ein Rahmenwerk, kein vollständiger Prozess: Es schreibt das Gerüst vor, füllt es aber nicht aus. Häufige Missverständnisse sind schnell ausgeräumt: Scrum plant durchaus — nur adaptiv in kurzen Zyklen. Es kennt kein „Sprint 0”. Der Scrum Master ist kein Chef, sondern dienende Führung. Und das Daily ist für die Developers, kein Statusbericht an den Scrum Master. Scrum ist ein empirisches Framework, das in jedem Sprint Transparenz schafft, prüft und anpasst.
Quiz zum Modul
3 Fragen · bestanden ab 60% richtigen Antworten.
1. Wie nennt der **Scrum Guide 2020** die drei Verantwortlichkeiten im Scrum Team?
2. Welches **Commitment** gehört zum **Product Backlog**?
3. Worauf beruht **Scrum** als Rahmenwerk?
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Quellen
- The Scrum Guide (Ausgabe 2020, maßgebliche Referenz)
- Scrum Guide Revisions (Änderungen 2020: Accountabilities, Product Goal, Commitments)