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Modul 4 · 18 Minuten

Modul 4 - Backlog & User Stories

Anforderungen aus Nutzersicht formulieren, priorisieren und verfeinern: die User-Story-Schablone, INVEST, Akzeptanzkriterien, MoSCoW und das Product Backlog.

Backlog & User Stories auf einen Blick: Product Backlog, Trichter Epic-Feature-Story-Task, User-Story-Schablone, INVEST, MoSCoW, Akzeptanzkriterien und Definition of Ready
Backlog & User Stories im Überblick: links das Product Backlog, in der Mitte der Trichter vom Epic zur Task mit der User-Story-Schablone, rechts INVEST und MoSCoW, unten Akzeptanzkriterien und Definition of Ready.

Worum es geht

Modul 3 hat das Product Backlog als Artefakt eingeführt — aber nicht, wie man es füllt. Genau das ist jetzt das Thema. Das Handwerkszeug dafür sind User Stories: kurze, aus Nutzersicht formulierte Anforderungen. Wichtig zur Einordnung: User Stories stammen aus dem Extreme Programming (Kent Beck), nicht aus Scrum. Sie sind eine verbreitete Technik im agilen Umfeld — Scrum selbst schreibt sie nicht vor.

Das Product Backlog

Das Product Backlog ist die lebendige, geordnete Liste aller Ideen und Anforderungen. Es ist nach Priorität sortiert: oben die Einträge mit hoher Priorität — fein ausgearbeitet und bereit für den nächsten Sprint —, weiter unten die grob beschriebenen, die erst später dran sind. Priorisiert wird wertorientiert, nach Nutzen, Risiko und Aufwand.

Das Backlog ist nie „fertig”: Im laufenden Refinement werden Einträge kontinuierlich präzisiert, geschätzt und neu sortiert. Und jeder Eintrag ist für alle verständlich und sichtbar — Transparenz ist Voraussetzung dafür, dass das Team gemeinsam die richtigen Dinge zuerst angeht.

Vom groben Thema zur umsetzungsreifen Story

Anforderungen entstehen selten gleich klein und fertig. Sie werden vom Groben zum Feinen zerlegt:

1
Epic
Ein großes Thema oder ein Geschäftswert.
2
Feature
Ein abgegrenzter Bereich oder eine Funktion innerhalb des Epics.
3
User Story
Eine einzelne Anforderung aus Nutzersicht, die für sich Wert stiftet.
4
Task
Eine konkrete, technische Aufgabe zur Umsetzung der Story.

Große Themen werden also so lange in kleinere Einheiten zerlegt, bis sie umsetzbar und wertbringend sind. Der Weg einer Anforderung verläuft dabei von der Idee über das Sammeln und Verfeinern (Refinement) und das Priorisieren bis zu „bereit für den Sprint”.

Die User-Story-Schablone

Das Herzstück ist eine einfache Schablone, die Rolle, Wunsch und Nutzen zusammenbringt:

Als ‹Rolle› möchte ich ‹Wunsch›, um ‹Nutzen› zu erreichen.

Ein Beispiel aus der xbank-Welt: Als Bankberater möchte ich den Kundenstatus auf einen Blick sehen, um Kunden schneller beraten zu können. Die drei Bestandteile beantworten Wer? (Rolle), Was? (Wunsch) und Warum? (Nutzen). Der „um … zu”-Teil ist dabei kein Schmuck, sondern der Kern: Eine gute Story liefert Wert aus Nutzersicht — wer den Nutzen weglässt, beschreibt nur noch eine Funktion.

Gute Stories: INVEST

Ob eine Story taugt, prüft man mit dem Raster INVEST (Bill Wake, 2003) — sechs Kriterien:

KriteriumBedeutung
Independentmöglichst unabhängig von anderen Stories
Negotiableverhandelbar — Details entstehen im Gespräch
Valuablewertvoll und nützlich für Nutzer oder Business
Estimableschätzbar — der Aufwand lässt sich einschätzen
Smallklein und fokussiert — passt in einen Sprint
Testabletestbar — über Akzeptanzkriterien überprüfbar

Akzeptanzkriterien und Definition of Ready

Akzeptanzkriterien beantworten: Wann ist die Story erfüllt? Ein verbreitetes Muster ist Given / When / Then (Gegeben / Wenn / Dann):

1
Given
Ein Berater ist angemeldet und befindet sich im Kundenprofil.
2
When
Er öffnet den Kundenbereich.
3
Then
Der Kundenstatus wird korrekt und aktuell angezeigt.

So werden Erwartungen konkret und überprüfbar. Davon zu unterscheiden ist die Definition of Ready — das Gegenstück zur Definition of Done aus Modul 3: Sie legt fest, wann eine Story überhaupt bereit für den Sprint ist (Ziel und Nutzen klar, Akzeptanzkriterien vorhanden, grob geschätzt, Abhängigkeiten bekannt, nötige Informationen verfügbar).

Priorisierung mit MoSCoW

Nicht alles ist gleich wichtig. MoSCoW ordnet Anforderungen in vier Stufen:

StufeBedeutung
Must haveunverzichtbar — ohne geht es nicht
Should havewichtig, hoher Nutzen — aber nicht zwingend für den Start
Could havewünschenswert, nice to have — wenn Zeit und Kapazität es erlauben
Won’t have (this time)diesmal nicht — nicht Teil dieser Lieferung, evtl. später

Der häufigste Fehler steckt im „W”: Won’t have (this time) bedeutet „nicht in dieser Lieferung”, nicht „nie”. Priorisieren heißt nichts anderes, als das Richtige zuerst zu liefern.

Häufige Missverständnisse

Vier Irrtümer begegnen einem immer wieder. Eine Story ist keine Spezifikation — zu viel Detail erstickt Flexibilität. Sie ist keine Aufgabe — sie beschreibt das Warum, nicht das Wie. Mehr Details machen sie nicht besser — zu große Stories sind schwer zu planen und zu liefern. Und sie wird nicht technisch formuliert, sondern aus Anwendersicht. Richtig verstanden ist eine User Story vor allem eines: eine Gesprächseinladung, die ein gemeinsames Verständnis im Team schafft.

Wissens-Check

Quiz zum Modul

3 Fragen · bestanden ab 60% richtigen Antworten.

1. Was bedeutet **„Won't have (this time)"** in MoSCoW?

2. Welche Bestandteile hat die **User-Story-Schablone**?

3. Wie verhalten sich **User Stories und Scrum** zueinander?

Bitte alle Fragen beantworten, dann wird der Button aktiv.

Quellen