xbank Academy für IT-Security
Modul 6 · 35 Minuten

Modul 6 - Regulatorik für Banken: KWG → MaRisk → DORA → NIS2

Die Pflicht-Welt der Bank-IT - vom KWG über MaRisk bis DORA mit allen 64 Artikeln in 9 Kapiteln. NIS2 als Schwesterregelung.

Wer fragt mich was?

Es ist Donnerstag, 10:15 Uhr. In der xbank treffen sich drei Aufsichtspersonen zu einem koordinierten Termin:

  • Eine BaFin-Bankenaufseherin — fragt nach MaRisk-Konformität und § 25a KWG.
  • Ein BaFin-Spezialist für IKT-Risiko — fragt nach DORA-Artikeln, RTS-Umsetzung, TLPT-Plan.
  • Eine Verbindungsperson zur BSI-NIS2-Stelle — fragt, ob die Bank überhaupt NIS2-pflichtig ist (oder durch DORA ausgenommen).

Drei Personen, drei verschiedene Rechtsrahmen, drei verschiedene Pflichten — alle gleichzeitig im Raum. Wer welche Antwort an wen liefert, hängt davon ab, welches Werk an welcher Stelle gilt.

Genau diese Landkarte zeichnet Modul 6.

Die Hierarchie der Bank-Regulatorik

Bevor wir uns die einzelnen Werke ansehen, brauchen wir die Lese-Richtung: was steht über was, und wer konkretisiert wen?

Hierarchie der Bank-Regulatorik
Stufe 1
EU-Verträge & nationales Verfassungsrecht
AEUV, GG — Grundlage allen weiteren Rechts
Stufe 2
Gesetze & EU-Verordnungen
National: KWG · EU: DORA-Verordnung, NIS2-Richtlinie
Direkt anwendbar (Verordnung) oder national umzusetzen (Richtlinie).
Stufe 3
EU Regulatory & Implementing Technical Standards
RTS & ITS — von EBA/ESMA/EIOPA, konkretisieren DORA & Co. mit Detailanforderungen
Stufe 4
Aufsichts-Rundschreiben (national)
MaRisk, früher auch BAIT — von BaFin, konkretisieren KWG für deutsche Häuser
Stufe 5
Bank-interne Richtlinien
IS-Richtlinie, IT-Strategie, IKT-Risikomanagement-Rahmen, BCM-Plan, Notfall-Handbuch
Operative Umsetzung der oberen vier Stufen — was im Tagesgeschäft tatsächlich gilt.
Lese-Richtung: Von oben nach unten wird Recht konkreter. Eine BaFin-Prüferin fragt typischerweise auf Stufe 4 ("Erfüllen Sie MaRisk AT 7.2?"). Die eigentliche Antwort liegt auf Stufe 5 in der Bank-internen Richtlinie. Die Pflicht dahinter (Stufe 2 / 3) muss man kennen, um die Frage einordnen zu können.
Vom Primärrecht bis zur internen Richtlinie — fünf Ebenen, in denen sich Bank-Regulatorik bewegt.

In jeder Audit-Frage musst du wissen, auf welcher Stufe die Frage gestellt wird. „Wie erfüllen Sie MaRisk AT 7.2?” ist eine Stufe-4-Frage; die Antwort liegt aber in der Bank-internen Richtlinie auf Stufe 5. Die zugrundeliegende Pflicht (Stufe 2: § 25a KWG) musst du nicht zitieren, aber kennen.

KWG — das Bank-Grundgesetz

Das Kreditwesengesetz ist seit 1961 das Grundgesetz für deutsche Banken. Für IT-Sicherheit besonders wichtig:

§ 25a KWG — Besondere organisatorische Pflichten von Instituten

Verlangt eine „ordnungsgemäße Geschäftsorganisation”, die unter anderem ein „angemessenes und wirksames Risikomanagement” einschließt. Das KWG selbst ist abstrakt — die BaFin konkretisiert es durch die MaRisk und (historisch) durch die BAIT.

Mehr braucht eine 2nd-Line-Risikomanagerin auf Modul-6-Niveau über das KWG nicht zu wissen. Tiefere Klauseln, Querverweise zu CRD/CRR, sind Bankenrecht-Themen.

MaRisk — Mindestanforderungen Risikomanagement

Die MaRisk sind das wichtigste BaFin-Rundschreiben für deutsche Banken. Sie konkretisieren § 25a KWG mit konkreten Anforderungen an Strategie, Aufbau- und Ablauf-Organisation, Risikomanagement-Prozesse und Outsourcing.

Aufbau

TeilInhalt
AT — Allgemeiner TeilÜbergreifende Anforderungen an Strategie, Organisation, Risikomanagement, Auslagerung
BT — Besonderer TeilBTO (Aufbau-Organisation), BTR (Risiko-Steuerung), BTA (Ausstattung) — vertieft je Risikoart

IT-relevante AT-Punkte

AT-PunktThemaDORA-Bezug
AT 4.3Risikosteuerung & -controllingDORA Art. 6 (IKT-Risikomanagementrahmen)
AT 4.4Interne RevisionDORA Art. 6 (interne Audits)
AT 7.2IT-RessourcenDORA Art. 7-9 (IKT-Systeme, Schutz)
AT 7.3IT-NotfallmanagementDORA Art. 11-12 (Reaktion, Backup)
AT 9AuslagerungDORA Art. 28-44 (Drittparteien)

Aktueller Stand

  • MaRisk-Rundschreiben 06/2024 ist die aktuell gültige Fassung.
  • Die 9. MaRisk-Novelle ist seit April 2026 in Konsultation. Stoßrichtung: prinzipienbasierter, größenabhängiger, kompatibel zu DORA.
Vertiefung im Normen-Handbuch MaRisk im Detail mit Normenbezügen Vollständige AT-Punkte-Übersicht mit Mappings auf ISO 27001, 27005, 22301 und BSI 200er-Standards.

BAIT — historischer Detail-Standard

Die Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT waren von 2017 bis 17.01.2025 das wichtigste Detailwerk für IT-Security-Anforderungen in deutschen Banken. Mit Inkrafttreten von DORA wurden sie für DORA-Institute außer Kraft gesetzt, mit einer Übergangsfrist bis 01.01.2027 für die wenigen verbliebenen Nicht-DORA-Institute.

Warum BAIT trotzdem wichtig bleibt

  • Die Logik der BAIT-Kapitel lebt 1:1 in DORA fort. Wer BAIT verstanden hat, versteht auch DORA — die Begriffe und Themen sind sehr ähnlich.
  • Banken-Audits prüfen oft noch nach BAIT-Kapitelstruktur, weil Prozesshandbücher und interne Richtlinien historisch danach gegliedert sind.
  • Bestandsdokumentation in Banken folgt häufig der BAIT-Logik — Migrationen sind im Gange, aber dauern Jahre.

Die zwölf BAIT-Kapitel im Schnellüberblick

KapitelThemaDORA-Pendant
1IT-StrategieArt. 5, 6
2IT-GovernanceArt. 5
3IKT-RisikomanagementArt. 6, 8
4IS-ManagementArt. 9
5Identitäts- & BerechtigungsmanagementArt. 9 (RTS)
6IT-BetriebArt. 7, 9
7IT-Projekte & AnwendungsentwicklungArt. 9 (RTS)
8IT-NotfallmanagementArt. 11-12
9Management der Beziehungen zu IT-DienstleisternArt. 28-44
10Technisch-organisatorische IS-MaßnahmenArt. 9 (RTS)
11IT-Compliance & RevisionArt. 6, Art. 46
12Kritische InfrastrukturenDORA + KRITIS-Recht
Vertiefung im Normen-Handbuch BAIT vollständig mit ISO/BSI-Mapping Alle 12 Kapitel im Detail, jedes mit den zugehörigen ISO-27001-Annex-A-Controls und BSI-Bausteinen.

DORA — die Hauptbühne

Der Digital Operational Resilience Act (Verordnung EU 2022/2554) ist seit dem 17. Januar 2023 in Kraft und seit dem 17. Januar 2025 anwendbar. Er ist das primäre IKT-Anker-Werk für alle Finanzunternehmen in der EU: Banken, Wertpapierfirmen, Versicherer, Zahlungsdienstleister, Krypto-Dienstleister, Zentralverwahrer, Rating-Agenturen — über 20 Finanz-Sektoren.

DORA ist eine Verordnung, keine Richtlinie. Das heißt: Sie gilt direkt in jedem EU-Mitgliedstaat, ohne dass nationale Umsetzungsgesetze nötig wären. Anders als bei NIS2.

Vollständige DORA-Struktur

DORA hat neun Kapitel mit 64 Artikeln. Klick auf ein Kapitel, um die Artikel-Liste zu öffnen:

DORA-Struktur — 9 Kapitel, 64 Artikel
·
  • Art. 5
    Governance & Organisation
    Leitungsorgan trägt Letzt-Verantwortung für IKT-Risikomanagement. Strategie, Rollen, Berichterstattung.
  • Art. 6
    IKT-Risikomanagementrahmen
    Verpflichtung zur Etablierung eines umfassenden Rahmens mit allen Bausteinen aus Art. 7-13.
  • Art. 7
    IKT-Systeme, Protokolle, Tools
    Anforderungen an Aktualität, Resilienz und Eignung der eingesetzten IKT-Mittel.
  • Art. 8
    Identifizierung
    Inventar aller IKT-Assets, Funktionen und Abhängigkeiten. Pflichtbestand jeder DORA-Doku.
  • Art. 9
    Schutz und Prävention
    Sicherheitsrichtlinien, Mechanismen und Tools — Verschlüsselung, Authentisierung, Zugriffskontrollen, Patch-Management. Anker-Artikel für viele Audit-Fragen.
  • Art. 10
    Erkennung
    Mechanismen zur zeitnahen Erkennung anomaler Aktivitäten — SIEM, EDR, Threshold-basierte Alarme.
  • Art. 11
    Reaktion und Wiederherstellung
    BCP, IT-Notfallpläne, Disaster Recovery. Konkretisiert was die Bank im Krisenfall tut.
  • Art. 12
    Backup-Strategien und Wiederherstellungsverfahren
    Anforderungen an Backup-Häufigkeit, Trennung, Tests, Restore-Verfahren. RTO/RPO sind hier verankert.
  • Art. 13
    Lernen und Weiterentwicklung
    Post-Incident-Reviews, Lessons Learned, Reife-Entwicklung des IKT-Rahmens. Schließt den PDCA-Zyklus.
  • Art. 14
    Kommunikation
    Krisenkommunikation: an Kunden, Mitarbeiter, Behörden, Öffentlichkeit. Vorab geprobtes Handbuch.
  • Art. 15
    Harmonisierung von Tools, Methoden, Prozessen
    Mandat für die EU-Aufsichtsbehörden, RTS und Leitlinien zu erlassen — die "DORA-Detailfüllung".
  • Art. 16
    Vereinfachter IKT-Rahmen
    Erleichterungen für kleine, nicht miteinander verbundene Wertpapierfirmen, Zahlungsinstitute mit Ausnahme, Kleininstitute.
  • Art. 17
    Verfahren zur Behandlung IKT-bezogener Vorfällevertieft in Modul 9
    Etablierung eines IKT-Vorfallmanagement-Prozesses: Erkennung, Klassifizierung, Reaktion, Eindämmung, Wiederherstellung.
  • Art. 18
    Klassifizierung von IKT-Vorfällen und Cyberbedrohungenvertieft in Modul 9
    Sieben Kriterien zur Schwere-Bewertung: Anzahl betroffener Kunden, Datentypen, Dauer, geografische Reichweite, wirtschaftliche Auswirkungen, Reputationsschaden, Kritikalität der Funktion.
  • Art. 19
    Meldung schwerwiegender IKT-Vorfällevertieft in Modul 9
    Drei-stufige Meldepflicht an die zuständige Behörde: Erstmeldung in 4h nach Klassifizierung als schwerwiegend, Zwischenmeldung in 72h, Abschlussbericht in 1 Monat.
  • Art. 20
    Vereinheitlichung von Meldungsinhalten und -formen
    EU-weit einheitliche Templates und Verfahren — wird durch RTS/ITS konkretisiert.
  • Art. 21
    Zentralisierung der Meldung schwerwiegender IKT-Vorfälle
    Geplant: zentrales EU-Meldeportal, das die nationalen Behörden ablöst. Übergangsfrist bis dahin.
  • Art. 22
    Aufsichtliches Feedback
    Behörden geben Feedback an meldende Institute — sektorale Lerneffekte sollen entstehen.
  • Art. 23
    Verarbeitung personenbezogener Daten
    DSGVO-Konformität auch im Vorfallmanagement gewahrt; klare Rechtsgrundlage für Datenaustausch zwischen Aufsichtsbehörden.
  • Art. 28
    Allgemeine Grundsätzevertieft in Modul 7
    Drittparteien-Risiko ist integraler Teil des IKT-Risikomanagements. Verantwortung bleibt bei der Bank.
  • Art. 29
    Vorbewertung des Konzentrationsrisikosvertieft in Modul 7
    Vor Vertragsschluss prüfen: Wie viele kritische Funktionen hängen schon an diesem Anbieter? Cluster-Risiko vermeiden.
  • Art. 30
    Vertragliche Vereinbarungenvertieft in Modul 7
    Pflicht-Inhalte: Beschreibung der Funktion, SLAs, Audit-Rechte, Datenrückgabe, Beendigung, Insolvenz-Klauseln.
  • Art. 31
    Bezeichnung kritischer IKT-Drittanbietervertieft in Modul 7
    Auf EU-Ebene werden bestimmte Anbieter als "kritisch" eingestuft (CTPP — Critical Third-Party Provider) und unterliegen direkter Aufsicht.
  • Art. 32
    Strukturen der Aufsicht über CTPPs
    Aufsichtsstruktur für CTPPs: leitende Aufseher (Lead Overseer), Joint Examination Teams, ESAs.
  • Art. 33
    Aufgaben des leitenden Aufsehers
    Risiko-Beurteilungen, Untersuchungen, Anfragen, Empfehlungen.
  • Art. 34
    Operative Koordination zwischen leitenden Aufsehern
    Wie sich EBA, ESMA, EIOPA und nationale Behörden bei CTPP-Aufsicht koordinieren.
  • Art. 35
    Befugnisse des leitenden Aufsehers
    Untersuchungen, Inspektionen vor Ort, Anforderung von Informationen, Empfehlungen.
  • Art. 36
    Untersuchungen außerhalb der EU
    Wenn der CTPP außerhalb der EU sitzt: Mechanismen für die Aufsicht.
  • Art. 37
    Inspektionen
    Pflichten und Rechte des leitenden Aufsehers bei Vor-Ort-Inspektionen.
  • Art. 38
    Laufende Aufsicht
    Kontinuierliche Beobachtung der CTPPs durch die EU-Aufsicht.
  • Art. 39
    Harmonisierung der Bedingungen für die Aufsicht
    EU-weit einheitliche Anforderungen, damit kein Forum-Shopping entsteht.
  • Art. 40
    Nachfolge-Maßnahmen der zuständigen Behörden
    Was passiert, wenn ein CTPP sich nicht an Empfehlungen hält — Eskalationspfade.
  • Art. 41
    Anforderungen an den Aufsichtsbeitrag
    CTPPs müssen aktiv mitwirken — Informationspflichten, Zugang.
  • Art. 42
    Zusammenarbeit mit zuständigen Behörden in der EU
    Datenaustausch-Mechanismen zwischen EU- und nationalen Behörden.
  • Art. 43
    Zwangsgelder
    Sanktionsrahmen bei Nicht-Mitwirkung — bis zu 1% des weltweiten Tagesumsatzes des CTPP pro Tag.
  • Art. 44
    Aufsichtsgebühren
    CTPPs zahlen Gebühren an die EU-Aufsicht — Finanzierung der direkten Aufsicht.
Lese-Hinweis: Die Kapitel II, III und V sind die IT-Security-Kernbereiche und sind standardmäßig aufgeklappt. Kapitel VII–IX sind Verwaltungsthemen — fürs Tagesgeschäft selten relevant, aber Teil der vollständigen DORA-Struktur.
Vollständige Struktur der DORA-Verordnung (EU) 2022/2554, in Kraft seit 17.01.2025.
DORA-Originaldokumente Komplette DORA-Rechtsakte als kuratierte Sammlung DORA-Übersicht mit Direkt-Links zu allen Texten: 1 Verordnung, 8 RTS, 2 ITS, 2 weitere Delegierte Verordnungen, plus ESA-Leitlinien. Originalquellen bei EUR-Lex und BaFin.

Im Folgenden vertiefen wir die vier IT-Sec-Kern-Kapitel (II, III, IV, V), wie sie in jeder Bank-Praxis und in jedem Audit-Gespräch auftauchen.

Kapitel II — IKT-Risikomanagement (Art. 5–16)

Das Herzstück von DORA. Verlangt einen umfassenden, dokumentierten IKT-Risikomanagement-Rahmen, der alle Phasen abdeckt:

DORA-Risikomanagement-Zyklus (Art. 8–13)
Identifizieren
Art. 8
Schützen
Art. 9
Erkennen
Art. 10
Reagieren
Art. 11
Wiederherstellen
Art. 11–12
Lernen
Art. 13

Verantwortlich: Das Leitungsorgan (Vorstand) — Art. 5 trifft hier eine harte Aussage: „Das Leitungsorgan trägt die Letzt-Verantwortung für das IKT-Risikomanagement.” Diese Klausel hat in deutschen Banken zu neuen Vorstands-Berichtspflichten geführt: monatliche oder quartalsweise IKT-Risiko-Berichte direkt an den Vorstand, mit dokumentierter Kenntnisnahme.

Kapitel III — IKT-Vorfallmanagement und Meldung (Art. 17–23)

Jeder Vorfall durchläuft drei Stufen, an denen DORA Pflichten knüpft:

  1. Erkennen und klassifizieren (Art. 17, 18) — die Bank muss einen Prozess haben, der schwerwiegende Vorfälle zuverlässig identifiziert. Sieben Kriterien aus Art. 18 (RTS): Anzahl betroffener Kunden, Datentypen, Dauer, geografische Reichweite, wirtschaftliche Auswirkungen, Reputationsschaden, Kritikalität der Funktion.

  2. Melden (Art. 19, 20) — drei-stufiges Meldeverfahren:

4 Stunden
Erstmeldung an die Aufsicht
Sobald der Vorfall intern als "schwerwiegend" klassifiziert ist. Erste Erkenntnisse, vorläufige Einschätzung, betroffene Funktionen.
mit aktuellen Erkenntnissen
72 Stunden
Zwischenmeldung
Aktualisierte Erkenntnisse zum Verlauf, ergriffene Eindämmungsmaßnahmen, Auswirkungs-Update.
mit Ursachenanalyse
1 Monat
Abschlussbericht
Vollständige Ursachenanalyse, Maßnahmen, Lessons Learned. Behörden-Feedback nach Art. 22 fließt zurück in den IKT-Rahmen.
  1. Lernen (verzahnt mit Art. 13) — Lessons Learned sind Pflicht-Bestandteil jedes Vorfalls. Die 2. Linie überprüft, ob die Erkenntnisse in den IKT-Rahmen eingearbeitet werden.
Vertiefung im Normen-Handbuch DORA-Meldefristen-Matrix vollständig Drei-stufiges Meldeverfahren mit Inhalten, Empfängern und Vorlagen aus den RTS/ITS. Inklusive ISO-27035-Mapping.

Kapitel IV — Resilienztesting (Art. 24–27)

Pflicht zu einem umfassenden Test-Programm mit zwei Stufen:

Standard-Tests (alle Institute, mindestens jährlich):

  • Schwachstellen-Scans, Pen-Tests
  • Source-Code-Reviews
  • Szenario-basierte Tests, Resilienz-Tests
  • BCM-Übungen, Krisenstabsübungen

TLPT — Threat-Led Penetration Testing (Art. 26): Pflicht für signifikante Banken, mindestens alle drei Jahre. Realistische Angriffssimulation nach EU-Standard „TIBER-EU”:

  • Externe Threat-Intel-Anbieter erstellen ein Bedrohungsszenario speziell für die Bank.
  • Externe Red-Team-Tester führen den simulierten Angriff über mehrere Wochen durch.
  • Trennung zum normalen Pentesting-Pool: Tester dürfen kein operatives IT-Mandat bei der Bank haben.
  • Die Bank weiß, dass ein Test läuft — die meisten Mitarbeiter nicht. Damit wird auch Detection und Response realistisch geprüft.

Kapitel V — IKT-Drittparteienrisiko (Art. 28–44)

Mit 17 Artikeln das größte DORA-Kapitel. Adressiert das Thema, das seit SolarWinds 2020 im Mittelpunkt steht: die Bank ist nur so sicher wie ihre Lieferanten.

Drei Säulen:

  1. Pflichten der Bank (Art. 28–30): Konzentrationsrisiko-Bewertung vor Vertragsschluss, vertragliche Mindestinhalte, Register aller IKT-Drittparteien (verpflichtend, jährlich an die Aufsicht zu melden).

  2. Aufsicht über kritische Drittanbieter (Art. 31–44): Ein neues Konzept — bestimmte Anbieter werden EU-weit als „kritisch” eingestuft (Critical Third-Party Provider, CTPP) und unterliegen direkter Aufsicht durch die EU-Aufsichtsbehörden.

  3. Sanktionen: Bis zu 1 Prozent des weltweiten Tagesumsatzes pro Tag bei Nicht-Mitwirkung (Art. 43).

Vertiefung im Normen-Handbuch DORA Kapitel V vollständig Alle 17 Artikel zu Drittparteien mit Vertrags-Pflichtinhalten, CTPP-Definition und ISO-27036-Bezug. Vertieft auch in Modul 7.

NIS2 — die Schwester-Richtlinie

Die EU-Richtlinie 2022/2555 ist die Cybersicherheits-Schwester von DORA. Sie regelt sektorübergreifend kritische Sektoren — Energie, Wasser, Gesundheit, Verkehr, digitale Infrastruktur und mehr.

Sektorale Gliederung

NIS2 unterscheidet zwei Klassen von Einrichtungen mit jeweils unterschiedlichen Pflichten:

KlasseSektoren (Auszug)Anzahl
Besonders wichtige EinrichtungenEnergie · Finanzen · Gesundheit · Verkehr · Wasser · Digitale Infrastruktur · Öffentliche Verwaltung · Weltraum8 Sektoren
Wichtige EinrichtungenPost · Abfall · Chemie · Lebensmittel · Verarbeitendes Gewerbe · Digitale Dienste · Forschung u.a.10 Sektoren

In Deutschland fallen rund 30.000 Einrichtungen in den NIS2-Anwendungsbereich (in Kraft seit 06.12.2025 in Deutschland).

Lex specialis: DORA geht vor

Der zentrale Punkt für Banker: DORA-pflichtige Institute sind vom NIS2-Anwendungsbereich ausgenommen. Sie melden NIS2-konform über DORA-Verfahren. Eine Bank hat also nicht zwei parallele Meldepfade, sondern einen — den DORA-Pfad.

Trotzdem relevant: Wenn eine Bank z.B. eine konzerneigene Energie-Tochter hat oder einen IT-Dienstleister, der NIS2-pflichtig ist, greifen die NIS2-Pflichten dort über die Schwester-Gesellschaft.

Vertiefung im Normen-Handbuch NIS2 vollständig Sektoren-Tabelle, alle 18 Sektoren mit Schwellenwerten, Art. 20-23 mit den 10 Risikomaßnahmen, Lex-specialis-Erklärung im Detail.

Praxis: Wer hat welche Pflicht?

Bank-TypDORANIS2MaRiskBAIT
Großbank (>30 Mrd Bilanzsumme)✓ voll(über DORA)⌧ außer Kraft
Mittelstands-/Sparkassen-Bank✓ voll(über DORA)⌧ außer Kraft
Kleines Kreditinstitut✓ vereinfacht (Art. 16)(über DORA)⌧ außer Kraft
Versicherung✓ voll(über DORA)analog (VAG-Rundschreiben)n/a
Wertpapierfirma(über DORA)analog (KWG/WpHG)n/a
Zahlungsdienstleister(über DORA)n/an/a
Krypto-Dienstleisterje nach MiCA-Klassifikationn/an/a

Zentrale Lese-Regel: Wer DORA-pflichtig ist, ist faktisch für die IT-Aufsicht abgedeckt. MaRisk gilt zusätzlich als nationaler Aufsatz für deutsche Banken.

Norm-zu-Realität-Mapping mit DORA-Anker

Wir hatten in Modul 5 das Mapping „BAIT-Anforderung → ISO → BSI” gezeigt. Hier das Pendant mit DORA als Ankerwerk:

Beispiel: DORA Art. 11 (Reaktion und Wiederherstellung) - Mapping
Regulatorik
DORA Art. 11
Anforderung: "Reaktion und Wiederherstellung" - jede Finanzeinrichtung muss BCP, Disaster-Recovery-Pläne und Notfallverfahren etablieren und regelmäßig testen.
Wie konkretisiert MaRisk das für Deutschland?
MaRisk
AT 7.3 - IT-Notfallmanagement
Konkretisiert die Anforderung für deutsche Häuser: BIA, Notfallkonzept, Tests mindestens jährlich, dokumentierte Lessons Learned.
Welche internationale Norm liefert die Methodik?
ISO 22301
BCM-Lifecycle
Internationale Norm liefert die Methodik: BIA, RTO/RPO, BCP-Erstellung, Tests, kontinuierliche Verbesserung.
Welcher BSI-Standard operationalisiert das in Deutschland?
BSI 200-4
BCM-Standard
Deutsches Pendant zu ISO 22301 mit konkreten Schritten und Vorlagen für Notfallpläne.
Was prüft der Auditor in der Praxis?
Audit
Audit-Frage
"Zeigen Sie mir Ihren letzten Notfalltest, das Test-Protokoll, die festgestellten Schwachstellen und die daraus abgeleiteten Maßnahmen."
Drei Werke (DORA, MaRisk, ISO/BSI), ein Thema (BCM). Wer alle drei kennt, kann jede Audit-Frage souverän beantworten.

Zusammenfassendes Mapping — Themen × Werke

ThemenfeldDORA-ArtikelMaRisk-ATISO-NormBSI-Standard
IKT-RisikomanagementArt. 5–6AT 4.3ISO 27001, 27005BSI 200-1, 200-3
Identifizierung von AssetsArt. 8AT 7.2ISO 27001 A.5.9GS-Baustein ISMS.1
Schutz und PräventionArt. 9 + RTSAT 7.2ISO 27001 A.8div. GS-Bausteine OPS, NET, SYS
ErkennungArt. 10AT 7.2ISO 27001 A.8.16GS-Baustein DER.1
VorfallmanagementArt. 17–23AT 7.2ISO 27035GS-Baustein DER.2
BCMArt. 11–12AT 7.3ISO 22301BSI 200-4
DrittparteienArt. 28–44AT 9ISO 27036GS-Baustein OPS.2
ResilienztestingArt. 24–27(neu)(TIBER-EU)(TIBER-DE)
Vertiefung im Normen-Handbuch Vollständiges Themen-Mapping mit allen Werken 12 Themenfelder als interaktive Tabelle DORA × MaRisk × BAIT × ISO × BSI im Referenzhandbuch.

Weiterführende Literatur

Für die Bank-Praxis sind die Originaltexte unverzichtbar. DORA wird durch 8 RTS, 2 ITS und 2 weitere Delegierte Verordnungen konkretisiert (plus ESA-Leitlinien), die jeweils eigene Verbindlichkeit haben. Wer in einem Audit-Gespräch DORA-fest sein will, sollte zumindest die relevanten RTS gelesen haben — und sie regelmäßig auf Updates prüfen.

Originaldokumente DORA-Verordnung, RTS, ITS und EBA-Leitlinien Marcus' DORA-Übersichtsseite mit kuratierten Direkt-Links zu allen offiziellen Texten bei EUR-Lex und BaFin. Klick auf eine Kachel zeigt Kernaussagen plus Originalquelle. Vertiefung im Normen-Handbuch Normen-Referenzhandbuch — DORA-Sektion Mappings DORA × MaRisk × ISO/BSI vollständig, plus Vertiefung zu ISO 27035 (Vorfälle) und ISO 27036 (Drittparteien).

Die fünf Merksätze für Modul 6

  1. DORA ist seit 17.01.2025 anwendbar (in Kraft seit 17.01.2023) und damit das primäre Anker-Werk. Direkt anwendbare EU-Verordnung, gilt für alle EU-Finanzunternehmen ohne nationale Umsetzung.

  2. 64 Artikel, 9 Kapitel — vier IT-Sec-Kerne. Kapitel II (Risikomgmt), III (Vorfälle), IV (Tests), V (Drittparteien) sind das, was im Tagesgeschäft zählt.

  3. MaRisk lebt parallel. Als nationales BaFin-Rundschreiben konkretisiert sie das KWG für deutsche Häuser. BAIT ist für DORA-Institute außer Kraft, bleibt aber als historische Referenz im Bestandsgepäck.

  4. NIS2 betrifft Banken nur über DORA. Lex-specialis-Prinzip: DORA-Institute melden NIS2-konform über DORA-Verfahren, kein Doppel-Reporting.

  5. Norm-zu-Realität ist das Werkzeug. Eine DORA-Anforderung über MaRisk und ISO/BSI bis zur Audit-Frage durchspielen können — das ist die Tagesarbeit der 2. Linie und das, was in jedem Bewerbungsgespräch geprüft wird.


Wissens-Check

Quiz zum Modul

7 Fragen · bestanden ab 67% richtigen Antworten.

1. Wie hängen KWG, MaRisk und DORA zusammen?

2. Ordne den DORA-Kapiteln ihre Inhalte zu.

  1. Begriff
    Kapitel II (Art. 5-16)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
  2. Begriff
    Kapitel III (Art. 17-23)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
  3. Begriff
    Kapitel IV (Art. 24-27)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
  4. Begriff
    Kapitel V (Art. 28-44)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
Definitionen

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3. Was bedeutet "DORA ist Lex specialis zu NIS2" für eine deutsche Bank?

4. Welche Aussagen zu DORA sind korrekt? (mehrere richtig)

Mehrfachauswahl möglich.

5. Welche DORA-Artikel regeln die 4-Stunden-Erstmeldung schwerwiegender IKT-Vorfälle?

6. Was ist Threat-Led Penetration Testing (TLPT) und welcher DORA-Artikel regelt es?

7. Ordne dem DORA-Themenfeld den passenden MaRisk-AT-Punkt zu.

  1. Begriff
    IKT-Risikomanagementrahmen (DORA Art. 6)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
  2. Begriff
    IT-Ressourcen / Schutz (DORA Art. 7-9)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
  3. Begriff
    IT-Notfallmanagement / BCM (DORA Art. 11-12)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
  4. Begriff
    Drittparteien / Auslagerung (DORA Art. 28-44)
    Definition hierher ziehen oder rechts anklicken
Definitionen

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